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Lebenskarriere versus Berufskarriere

Das Streben nach Erfolg macht krank, sagt der Psychologe Werner Gross. 60-Stunden-Wochen, Mobbing und Überforderung sind die Gründe dafür.

Er schreibt weiter in seinem Buch: Nein, man kann nicht immer nur oben sein. Jeder Überflieger erlebt früher oder später einen Absturz. Das ist ganz normal und sogar gesund. „Eine langfristig erfolgreiche berufliche Karriere ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Man muss seine Kräfte gut einteilen“, schreibt der Autor. Scheitern gehört dazu. Ich stimme nicht bei allem zu, aber es ist richtig, jede Karriere fordert ihren Preis.

Fragen Sie doch mal 10 Freunde, wie es ihnen geht. Neun werden sagen: „ Ich bin im Stress , sonst geht es ganz gut…“ oder so etwas ähnliches. Es gehört heute schon zum guten Ton gestresst zu sein, habe ich manchmal den Eindruck.

In einer ruhigen Stunde habe ich über mein Leben nachgedacht. Nun habe ich schon einige Jahre auf dem „Buckel“ und in Summe gute 35 Jahre Berufserfahrung. Ich kann sagen, ich habe eine sehr gute berufliche Karriere hingelegt, „vom Zeichenbrett zum CEO“, wie mich Moderatoren vor einem Vortrag oft vorstellen.

Ich habe für diese Karriere auch einen Preis bezahlt, keine Frage. Es war für meine Familie sicher oft nicht leicht, und ohne die Leistung meiner fantastischen Frau wäre das unmöglich gewesen.

Habe ich nun nur eine berufliche Karriere gemacht oder auch eine „Lebenskarriere“? Ich habe da eine persönliche Einschätzung, aber wichtiger ist die Meinung der Menschen, die einem nahe stehen, mit denen man arbeitet und lebt. Eine berufliche Karriere sollte immer nur ein Teil einer Lebenskarriere, eine Untermenge dieser sein.

Sind meine Kinder stolz auf mich? Konnte ich Ihnen Werte vermitteln? Ist die Beziehung zu Ihnen mit Liebe erfüllt? Ist die Beziehung zum Partner liebevoll und respektvoll, auch nach mehr als 30 Jahren? Habe ich Spuren im Leben anderer Menschen hinterlassen? Did I leave a legacy, wie es Stephen Covey formuliert? Habe ich mir trotz der 60-Stundenwoche noch Zeit für die Beziehungspflege genommen?

Susi SponsionFür mich sind dies nur einige Aspekte einer Lebenskarriere. Mit viel Stolz feierten wir die Sponsion unserer Tochter zur Magistra vor ein paar Wochen. Unsere zweite Tochter ist seit wenigen Monaten verheiratet und macht in Schottland ihr Master-Studium. Unser Sohn hat vor wenigen Tagen seinen BSc als Wirtschaftsingenieur der TU Wien erhalten. Aus allen dreien sind junge, selbständige und mit hohen Werten erfüllte Menschen geworden.

Alleine das ist für mich schon genug zu sagen, dass man immer auch die Lebenskarriere im Auge haben sollte und nicht nur das berufliche Weiterkommen alleine. Vor 4 Jahren startete ich meine zweite berufliche Karriere, die mich die nächsten 30 Jahre (so hoffe ich) begleiten wird. Sie wird dazu beitragen, dass ich am Ende zufrieden zurückschauen und sagen kann: Yes, I made a difference!“

Ich möchte Ihnen Mut machen, bleiben Sie mit Passion dran und gehen Sie Ihren Weg und hinterlassen Sie (positive) Spuren im Leben anderer Menschen.

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